Hauptgefechtsstand

titelAm Abend zuvor im Hotelzimmer warf ich die Geocaching-Suchmaschine an: Was gibt die Gegend denn so an ‚abandoned structures‘ her? Für den Einen oder Anderen ist das gewiss eine verpönte Informationsquelle – aber immerhin eine der berühmten ‚low hanging fruits‘. Knapp 50 Ergebnisse habe ich bekommen und zwei Caches klangen deutlich unscheinbarer als das Gelände auf dem sie lagen war …

Ich steuerte ein kleines Waldgebiet bei Rostock an. Entlang der Autobahn, diese immer mal wieder überquerend, schlängelte sich die kleine Zufahrtsstraße durch das mecklenburgische Niemandsland. Ich hatte Glück, denn just als das GPS mein Ziel exakt 90° neben mir verortete, sperrte ein Waldarbeiter die Straße für Baumfällarbeiten. Also parkte ich in der nächstgelegenen Waldeinfahrt und folgte, wie auf rohen Eiern laufend, vereisten Wegen einen Hügel hinauf  ins Innere das Waldes.

Schon bald tauchte links neben mir, inmitten des Waldes ein merkwürdiges Betonding auf. Ich konnte mir richtig vorstellen, wie darin ein behelmter Wachposten mit lauter Stimme seinen Unmut über meinen weiteren Plan kundtun würde, wäre er denn in den letzten 25 Jahren noch einmal hier gewesen. Auf der Kuppe des Hügels angekommen stellte ich zunächst etwas enttäuscht fest, dass jener Wachposten wohl nur einen Wagen mit heißen Getränken für die Waldarbeiter bewacht hätte. Erst einige Meter weiter eröffnete sich mir das Ziel meiner Reise …

tessin_03Ein Wachhaus und Kasernen tauchten am Rande meines Weges auf. In einer Botschaft am Wachhaus hat scheinbar Eminem persönlich den weiteren Zugang untersagt. Da dieser jedoch nicht wirklich in meiner mentalen Liste von Autoritätspersonen zu finden ist und das so beschriftete ‚Büro‘ auch nicht besetzt war, folgte ich den eisig glatten Wegen auf das Gelände. Ich wagte einen Blick ins Innere der ersten, eher tristen Kaserne. Ein freier Zugang dort hinein war bald ausgemacht. Im Obergeschoss fand sich neben einem Entspannungszimmer mit Aussicht die mutmaßliche Residenz der Führung (oder gar Eminens?). Wie auch immer: Wer hier hauste, hat im wahrsten Sinne des Wortes auf der Toilette nebenan die Schüssel gesprengt.

Vor der zweiten Kaserne spannten ein Stromverteilerhäuschen und eine Lagerhalle einen größeren Platz auf. Dort, wo heute ein paar Fässer und Holzstümpfe ein längst ausgeglühtes Feuer verraten, standen sicher regelmäßig größere Mengen behelmter Kameraden, in ein und dieselbe Richtung schauend und dem geschrienen Befehl eines Oberhelmes folgend. Heute wurde die schweigsame Ruine nur durch das beinahe ohrenbetäubende Plätschern von Tauwasserbächen übertönt, die sich im dreistöckigen Gebäude ihren Weg nach unten suchten.

Auf dem Hof zwischen den beiden Kasernen fand ich eine Tür. Einfach so. Vielleicht hätte sie in eine andere Zeit geführt, keine Ahnung. Ich konnte nicht durch sie hindurch gehen. Hätte ich es gekonnt, so wäre ich vielleicht in einer Welt gelandet, in der das alles noch der Mittelpunkt zum Glück nur theoretischer Kriegsszenarien gewesen ist.

So stiefelte ich aber wieder quer über den Platz und verschwand auf dessen anderen Seite, zwischen Stromverteilerhäuschen und Lagerhalle, im Wald. Bald tauchte eine Betonglocke inmitten der Bäume auf. Diese ist einer von zwei verschlossenen Notausgängen der mir unzugänglichen Gebäudebereiche, die den eigentlichen Sinn und Zweck dieser Anlage ausmachten. Ihr Bauart lies mich kurz inne halten und warten, ob nicht doch kein geringerer als Luke Skywalker persönlich daraus hervortritt.

Quellen:
Bunker Tessin | Youtube | GC3FW71 | GC3FWAM

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