Leider nur von außen: Villa Baltic

titelNoch 26 Jahre bevor aus der Gemeinde Arendsee und ihrer Nachbargemeinde die Stadt Kühlungsborn wurde, zog ein Berliner Rechtsanwalt mit seiner Frau in sein neu erbautes Domizil ein, dass heute unter dem Namen „Villa Baltic“ als spannender Lost Place mit direktem Café-Anschluss bekannt ist

Mit dem Tod der Witwe des Bauherren begann eine Abwechslungsreiche Zeit für das Gebäude. Zunächst vermachte es die Witwe der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums als Erholungsstätte. Im Jahre 1931 hatte das Haus schon über 100 Gäste. Der Preis für Vollpension mit bester Verpflegung betrug damals 5 Reichsmark. Schon 1935 endete das Idyll jäh, als der Niederdeutsche Beobachter feststellte: „Arendsee wird judenrein“. Das Haus wurde behördlich geschlossen und ging 1938 in den Besitz der Goebbels-Stiftung über. In das „Schloss am Meer“ lud der Propagandaminister fortan Bühnenschaffende ein. Nach dem Krieg sei die Villa von russischen Soldaten geplündert worden.

In Zeiten der DDR wird das Haus zum „Kurt-Bür­ger-Erholungsheim“ des FDGB-Feriendienstes. Die auf meinen Bildern auch zu sehenden Meerwasserschwimmhalle wurde 1972 mit dem Erholungsheim verbunden. Sie war die erste ihrer Art und der Architekt Rudi Mehl durfte vor dem Bau sogar in die BRD reisen, um sich Anregungen zu holen.

An dieser Schwimmhalle glaube ich mich auch noch zu erinnern. Also an die Zeit, zu der sie noch nicht verfallen war. Irgendwann in den 80er-Jahren, jedenfalls noch tief in der DDR ohne jedwelche Wende in Sichtweite, waren meine Eltern mit mir im Urlaub im FDGB-Heim „Ernst Grube“ in Kühlungsborn. Da verbrachten wir auch einen Tag in diesem Bad.

Quellen:
Das Judenschloss am Meer | Kühlungsborn – Strand ist geduldig | FDGB in der Wikipedia

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