Geisterkirche in Thomasbach

Geisterkriche in Thomasbach

Es muss schon 2 Jahre her sein, als ich mit dem Zug von Wien nach Hannover unterwegs war und dieser in Passau liegenzubleiben drohte. Anstatt mich darüber zu ärgern, rief ich die Geocaching-Seite auf, suchte nach spannenden Lost Places in der Nähe und fand die Geisterkirche. Als der Zug weiter fuhr ärgerte ich mich nun doch ;-). Nun endlich gab mir unsere geplante Radtour ab Passau die Gelegenheit, diese zu besuchen.

Unser heuriger – wie man nur einen Steinwurf von hier entfernt zu sagen pflegt – Familienurlaub soll uns per Rad entlang der Donau von Passau nach Wien führen. Die Geisterkirche war der Grund, aus dem wir schon einen Tag früher anreisten. In Passau war schnell ein Auto gemietet. Dessen prähistorisches Navigationssystem stellte uns schon gut auf die kommenden Stunden ein. Nach knapp 60 Kilometern waren sich dieses und der GPSr einig: Wir sind da. Links und rechts der Straße türmen sich zwei Meter hoch Maisfelder, am Ende eines Weges dazwischen blitzte ein weißer Kirchturm.

Unter [1] ist nachzulesen, dass wir vor den Überreste der abgesiedelten Gemeinde Thomasbach standen. Neben einem Dreiseithof nebst einer Ruine, die wohl mal eine Scheune war, tauchte das ersehnte Ziel auf. Die von innen und außen noch gut erhaltene Kirche St. Vitus scheint hier recht verlassen zu stehen. Jedoch zeugen ein größerer Friedhof und bei archäologischen Übungen gefundene Überreste von Holzhäusern wohl doch von einer größeren Ortschaft, die hier einmal gewesen sein muss. Es wurden auch Umfassungsmauern eines riesigen Gehöfts gefunden. Diese lassen Archäologen vermuten, dass hier im 14./15. Jahrhundert vielleicht sogar ein Kloster stand.

Die Kirche war leicht zugänglich. Wir überwanden den von Brenneseln zugewachsenen Aufgang und standen von einer schweren, jedoch weit geöffneten Holztür. Beim Altar gibt es noch einen ebenfalls weit geöffneten Nebeneingang, der zu noch mehr Brenneseln führt. Ein Bullauge unter der Empore erlaubt einen Blick in den Kirchturm. Diese kann durch einen weiteren Eingang auch betreten werden

Nicht weniger spannend war der Dreiseithof. Unter [2] ist nachzulesen, dass dieser dem Thomasbeckbauern gehörte – mehr dazu fand ich leider nirgends. Jedenfalls vermutet man, dass die Kirche als Eigenkirche des Hofes errichtet wurde. Aus seinem Wohnzimmer heraus hat der Besitzer einen guten Blick auf das Gotteshaus gehabt. Die Wand ziert ein schönes altes Regal aus Zeiten, in denen Inbusschlüssel noch nicht erfunden waren. Der Ofen der dahinter liegenden Küche wurde wohl herausgerissen. Allerdings zeigen Leitungen an der Wand, dass man hier wohl Licht per Gas hatte.

Ich denke, die folgenden Bilder sprechen für sich ;-). Dieser abgelegene Ort hat wohl Graffiti-Sprayer und Randalierer ferngehalten und ich hoffe, dass das auch so bleibt.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Exing
[2] http://www.zum-alten-brauhaus.info/Exing-in-Niederbayern/Sehenswuerdigkeiten.htm

4 Gedanken zu „Geisterkirche in Thomasbach

  • 28. August 2017 um 22:37
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    Hallo,ich kenne diesen Ort schon sehr lange,hab noch ein Foto,wo die Scheune beim Hof noch steht,und auch vom Kirchturm oben aus,auch ein Video,viele Jahre zurück,finde es schade,das alles so zerfällt.

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    • 2. September 2017 um 11:40
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      Moin,

      danke für Deinen Kommentar. Sind die Bilder und das Video auch irgendwo online verfügbar? Ich verstehe, dass es schade ist Dinge verfallen zu sehen – gerade wenn man es noch anders kennt. Insbesondere hier finde ich persönlich aber, dass genau dieses einen gewissen Charme hat. Ich mochte diesen Ort sehr, so wie ich ihn gesehen habe.

      Viele Grüße,

      Andreas

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  • 6. September 2017 um 08:04
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    Der Hof wird auf der Bayern-Atlas-Seite als 1/32 Kleinbauerngut: Köblerhof bezeichnet.

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  • 6. September 2017 um 08:05
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    Was ich noch sagen wollte: tolle Fotos!

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