„Kein Computer ist sicher“ (Donald Trump, 1.1.2017)

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Der auserkorene zukünftige Führer der (zumindest nominalen Statistiken nach [1] noch) führenden Weltwirtschaftsmacht hat herausgefunden, dass kein Computer sicher ist. Deswegen nutzt der angehende Präsident des Landes, in dem GMail und Office365 zu Hause sind, lieber einen Kurier [2].  Da weiß ich jetzt auch nicht so recht …

Wenn der zukünftig mächtigste Mann der Welt darauf nicht vertrauen kann, dann ist vielleicht doch was dran?!? Ich meine, der Mann residiert ja nicht in einem Elfenbeimturm, sein Turm ist aus Gold – der muss schon wissen was er sagt! Vielleicht sollten wir ja unseren E-Mail-Client grundlegend umbauen? Also so umbauen, dass man ihn auch zum Senden von wirklich wichtigen Nachrichten nutzen kann … „the old fashioned way“ eben, nur in modern … Wie könnte das aussehen?

Wirklich wichtige Informationen versenden

Funktion für wirklich wichtige Nachrichten

Gleich unter dem Menüpunkt zum Versand von E-Mails könnte ein weiterer Punkt zum Versenden wirklich wichtiger Nachrichten stehen. Erst dachte ich an eine einfache Checkbox „wirklich wichtig“ im E-Mail-Dialog – Aber wirklich wichtige Nachrichten sind einfach ein viel zu komplexes Thema, um sie einfach so zu behandeln. Klar, sonst könnte es ja auch jeder 10-jährige.

Ein Klick auf den neuen Menüpunkt öffnet dann eine neue, leere, wirklich wichtigen Nachricht. Sollen wirklich wichtige Nachrichten nicht per E-Mail versandt werden, dann kann der Empfänger nicht anhand einer E-Mail-Adresse bestimmt werden. Ich habe lange darüber nachgedacht und kam dann auf ein System, bei dem eine Person anhand ihres Wohnortes identifiziert wird. Hierzu muss man wissen, wo die Person wohnt. Nur wenn man das weiß, kann man wirklich wichtige Nachrichten an diese Person verschicken. Dieses clevere System verhindert auch, dass weniger wichtige Nachrichten wie zum Beispiel die Wochenangebote von Lidl auch auf diesem Wege versandt werden – Woher sollte Lidl denn wissen, wo der Empfänger wirklich wichtiger Nachrichten wohnt???

Eine wirklich wichtige Nachricht erhält dann noch einen Betreff. Ich sehe es schon richtig vor mir, wie dieser Betreff dann fett gedruckt zwischen der Empfängeradresse und dem Datum steht. Damit weiß der Empfänger dann immer gleich, worum es in dieser Nachricht geht. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie würde ich die Betreffzeile gern auf 140 Zeichen beschränken. Das weckt vielleicht den Spieltrieb der Anwender!

Prioritäten beachten

Wie wichtig ist die wichtige Nachricht?

Natürlich ist nicht jede wirklich wichtige Nachricht gleich wichtig. Es gibt weniger wichtige wirklich wichtige Nachrichten, wirklich weniger wichtige wirklich wichtige Nachrichten und wirklich wichtige wirklich wichtige Nachrichten. Für den Transport wirklich weniger wichtiger wirklich wichtiger Nachrichten wird vielen Anwendern ein Kurier zu teuer sein. So ein Kurier sollte auch wirklich nur die wirklich wichtigen wirklich wichtigen Nachrichten transportieren. Darum denke ich über ein weiteres geniales Feature nach: Für wirklich wichtige wirklich wichtige Nachrichten kann der Anwender den Versand per Kurier über das rote Ausrufezeichen wählen. Wirklich weniger wichtige wirklich wichtige Nachrichten werden mit einem Klick auf den blauen Pfeil nach unten auf dem billigst möglichen Versandweg versandt. Alle anderen wirklich wichtigen Nachrichten versenden wir normal.

Ein Klick auf den blauen „Deliver“-Button stößt dann den Prozess des Versandes der wirklich wichtigen Nachricht an. Ich stelle mir das so vor, dass diese Nachricht nun über eine Beschreibungssprache in ein definiertes Layout übertragen und dann per Steuerbefehl von einem Digital-Papier-Wandler in ein versandfertiges Dokument gewandelt wird – diesen Vorgang nennt man im Fachjargon „Drucken“. Wirklich weniger wichtigere wirklich wichtige Nachrichten könnten in einem kleineren Format gedruckt und direkt versandt werden, während wichtigere wirklich wichtige Nachrichten in ein Kuvert gesteckt werden.

Nachrichten, die keine wirklich wichtigen wirklich wichtige Nachrichten sind, könnten dann einfach mit einer Briefmarke versehen und direkt zu einem Briefkasten getragen werden. Nur für den Versand per Kurier habe ich noch keine Lösung. Ich dachte erst, man könne das Dokument per E-Mail dorthin schicken und die Kuriere drucken es selbst aus – aber, Ha Ha, nein … genau das kann ja auch ein 10-jähriger und dann könnte jemand die Nachricht abfangen. Hier muss ich mir noch einen passenden „old fashioned way“ einfallen lassen!

Killer-Feature: Sich wirklich treffen

Das Killer-Feature: Ein Treffen in echt!

Ein wirkliches Hammer-Feature habe ich mir aber noch überlegt: Wenn E-Mail schon unsicher ist, dann will ich erst recht nicht auf Skype oder Telefon vertrauen. Woher weiß ich denn, ob ich meine wirklich wichtigen Dinge dann auch mit dem wirklich Richtigen bespreche? Abhilfe schafft der grüne „Add meeting“-Button! Wenn dieser Button gedrückt wird, dann rechnet das System automatisch die Mitte zwischen meiner Adresse und der Adresse des Empfängers meiner wirklich wichtigen Nachricht aus und sucht dort per Google Maps nach einem passenden Treffpunkt! Dieser Treffpunkt wird direkt in die wirklich wichtige Nachricht geschrieben.

Dieses Feature funktioniert im Gegensatz zu Skype oder Telefon nur direkt, also von Punkt-zu-Punkt. Für Konferenzen müssen also mehrere Treffpunkte angefahren werden. Mit einer durchschnittlichen Tankfüllung sollten je nach Auslastung des Straßennetzes bis zu 8 (!) Treffen am Tag möglich sein.

Fazit

Aus Russland und der Ukraine ist bereits zu hören, dass die ersten Hacker Umschulungen auf Posträuber buchen. Es ist eben immer ein Wettlauf mit den Kriminellen, egal in welche Richtung man selbst läuft.

Angeblich ist es auch schon einem Geheimdienstmitarbeiter gelungen, eine wirklich weniger wichtige wirklich wichtige Nachricht auf einer Postkarte zu lesen, weil ihm diese Postkarte in die Hände fiel. Bleibt zu hoffen das es den Experten noch möglichst lang vergönnt bleibt, eine wirklich wichtige wirklich wichtige Nachricht aus einem Kuvert zu holen!

Im Ernst … nun aber wirklich …

Das Internet ist nicht unsicherer als ein nächtlicher Spaziergang im Frankfurter Bahnhofsviertel: Man sollte eben auf den (nicht zu bunt) beleuchteten Straßen bleiben. Und der Versand von Nachrichten birgt immer das Risiko, dass deren Inhalte in fremde Hände fallen. Dieses Risiko kann man nur verkleinern, nicht aber gänzlich verhindern. 

Lavabit: coming soon. again.

Im Gegensatz zum Vertrauen auf einen Kurier als Übermittler der Nachricht ist eine asynchrone Verschlüsselung der deutlich bessere Weg. Edward Snowden vertraute einst auf den Cloud-Service Lavabit [3]. Während seiner Flucht musste er aus nachvollziehbaren Gründen verschlüsselt kommunizieren und zeigte damit zwei Dinge: Zum Einen hat er seine Verfolger durch die Nutzung der asynchronen Verschlüsselung wirklich aufgehalten, zum Anderen war er dabei aber auch gänzlich vom Dienstanbieter abhängig. Dieser schlug sich zwar wacker im Kampf mit den Behörden, musste am Ende aber doch seinen Dienst einstellen.

Nun soll Lavabit in wenigen Tagen wieder ans Netz gehen. Ich bin gespannt, wie sich der Dienst präsentieren wird. Die Sicherheit der Verschlüsselung und die Abhängigkeit vom Anbieter werden aber gewiss die beiden tragenden Pro- und Kontra-Säulen des Angebots bleiben. Gegen die Abhängigkeit hilft nur ein System unter eigener Kontrolle. Ein System wie Kopano zum Beispiel, dass mit S/MIME auch die asynchrone Verschlüsselung beherrscht.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt
[2] http://www.nydailynews.com/news/politics/trump-couriers-replace-email-no-computer-safe-article-1.2930075
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Lavabit

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