Vor knapp zwei Jahren bin ich auf ein TUXEDO InfinityBook Pro 14 v5 umgestiegen. Damals war Ubuntu in der Version 20.04 modern. Zwei Jahre später ist es nun an der Zeit, mit meinem Tuxedo auf Ubuntu 22.04 umzusteigen. Und weil ich über Ostern nichts besseres zu tun hatte, habe ich das einfach mal gewagt. Eigentlich hätte der Artikel viel kürzer sein können, denn zusammengefasst lässt sich sagen: Es geht einfach. Aber ein paar Tipps an der einen oder anderen Stelle kann ich vielleicht doch geben.

Hinweise: Am Ende des Artikels gibt es eine Checkliste. Ich übernehme keinerlei Garantie, dass das bei jedem so klappt. Dieser Blogpost beschreibt nur, wie es bei mir war.

Tests vorab

So ein Betriebssystem entwickelt sich innerhalb von zwei Jahren und über die drei dazwischen liegenden Versionen schon ein ganzes Stück weiter. Über die Jahre habe ich schmerzhaft gelernt, dass man besser vorher mal prüft, ob alles passen wird. Überraschungen gibt es immer, aber das gröbste hat man dann doch im Griff.

Was ich mir besonders beim Testen angesehen habe:

  • Die neue libadwaita lässt kein Theming mehr zu. Ich wollte wissen, ob das für mich ein Problem sein wird.
  • Werden die von mir genutzten Gnome Extensions noch funktionieren?
  • Kann ich die von mir genutzte Software installieren?

Besonders letzteres ist mir wichtig. Von den Bildbearbeitungsprogrammen nutze ich teilweise sehr neue Versionen. Es wäre doof, wenn da etwas nicht mehr gänge.

Bei der Hardware erwartete ich bei Tuxedo die geringsten Probleme. Darum testete ich das Meiste schlicht in einer VirtualBox. Lediglich die USB-C-Universal-Dockingstation von Tuxedo testete ich, indem ich wirklich das neue Ubuntu vom USB-Stick startete. Diese benötigt einen besonderen DisplayLink-Treiber und ich war mir nicht sicher, wie der sich unter Ubuntu 22.04 verhält. Stand heute listet die DisplayLink-Seite das neue Ubuntu noch nicht auf.

Vorbereitungen

Das von Ubuntu immer wieder empfohlene apt dist-upgrade kann ich nicht empfehlen. Spätestens dann, wenn man mit Repositories Dritter arbeitet, führt das eigentlich immer zu größerem Chaos. Darum installiere ich Ubuntu neu und richte es dann möglichst schnell wieder ein. Die Anzahl der von mir genutzten Programme jenseits des Standards ist doch sehr überschaubar. Da vergesse ich nichts.

Vor dem Update ist in jedem Fall ein Backup wahnsinnig wichtig. Am wichtigsten sind natürlich die eigenen Daten. Diese liegen typischerweise im Home-Verzeichnis unter /home. Aus Erfahrung habe ich mir das schon seit langem immer in eine eigene Partition gelegt. Somit kann ich später die Partition mit dem Betriebssystem formatieren, ohne Daten zu verlieren. Wenn man sich nicht sicher ist, dann hilft dieser kleine Befehl:

Ist die Ausgabe leer, dann müssen alle Daten von Hand gesichert werden. Ist es so wie in meinem Fall, dann wird lediglich bei der Installation zunächst ein großer Bogen um die Partition /dev/sdb1 gemacht, damit bloß nichts schief geht.

Neben dem Wissen, welches denn die Home-Partition ist, ist auch das Wissen über die anderen Partitionen wichtig. Auf diesen wird dann ja installiert. Unter Gnome gibt es das Tool Laufwerke, um sich die Partitionen einfach anzusehen. Was man mindestens wissen sollte ist, welches die Boot-Partition ist und wo die Root-Partition liegt.

Screenshot: Laufwerke

Weitere wichtige Informationen, die gesichert werden sollten, sind:

  • Das gesamte Verzeichnis /etc ( sudo cp -a /etc Backup/ ): Da stehen auch die Konfigurationen drin, die man jetzt vielleicht nicht auf dem Schirm hat.
  • Im Home-Verzeichnis alles, was mit einem Punkt anfängt ( for F in .[A-Za-z0-9]* ; do mv $F Backup/ ; done ): Das sind auch viele Konfigurationen, auf die man später vielleicht noch einmal zurückgreifen will oder muss.
  • Ggf. noch die Verzeichnisse /opt, /srv und /var. Einfach mal schauen, ob in den ersten beiden was enthalten ist und ob man das noch braucht. Das dritte ist vor allem dann wichtig, wenn Serverdienste betrieben werden.

Bevor man das Update startet, sollte man noch einmal einen Blick auf die immer wieder genutzten Programme werfen und sich fragen, ob man wirklich alles dafür gesichert hat.

Das Update von Tuxedo auf Ubuntu 22.04

Fertig? Na dann los! Unter Ubuntu gibt es den Startmedienersteller. Der Name verspricht nicht zuviel: Das Tool erstellt Startmedien. Auf der Ubuntu-Website kann ein ISO-Image heruntergeladen werden und dieses Werkzeug kopiert das Image auf einen USB-Stick und macht diesen bootfähig. Mit eingestecktem USB-Stick wird dann das Notebook neu gestartet und dabei die F2-Taste gedrückt. Diese führt ins Bootmenü von Tuxedo. Hier kann dann der USB-Stick als Quelle ausgewählt werden. Jetzt startet das neue Ubuntu.

Wie oben schon beschrieben, kann an dieser Stelle noch einmal Ausprobiert werden. Wenn man sich sicher ist, dann wird hier die Installation gestartet. In meinen Augen ist alles, was abgefragt wird, selbsterklärend. Beim Passwort würde ich vorsichtshalber keines mit Sonderzeichen nehmen. Bei meinem Test gab es wohl Probleme mit der Tastaturbelegung und ich konnte mich dann nicht anmelden. Man kann das Passwort ja nach der Installation schnell und einfach ändern.

Ubuntu: Anwendungen wählen

Ich wählte die Normale Installation und ließ auch gleich während der Installation die Updates und Software von Drittanbietern herunterladen – Was soll man geizig sein 🙃? Kritisch wird es bei der Wahl der Installationsart. Bei einem Update gibt es hier mehr als nur die beiden unten zu sehenden Optionen. Das ist aber egal, weil man sicherheitshalber eigentlich immer „Etwas Anderes“ machen sollte. Unter diesem Menüpunkt lassen sich dann die vorhandenen Partitionen den eigenen Notizen nach zuordnen. Das typische Minimum ist:

  • Boot-Partition: Verwendung als EFI
  • Root-Partition: Typ Ext4, Einhängepunkt / und ein Ja beim Formatieren
  • Swap-Partition

Ubuntu: Installationsart wählen

Bis hierhin kann man noch abbrechen. Nach dem Klick auf „Jetzt installieren“ nicht mehr 😉. Die Installation dauert dann ein paar Minuten. Danach muss das Notebook neu gestartet und der USB-Stick entfernt werden. Willkommen mit Ihrem Tuxedo auf Ubuntu 22.04 🙃!

System einrichten

Bei mir wurde wie erwartet die Hardware komplett erkannt. Weil es die Standardeinstellung im neuen Ubuntu 22.04 ist, landete ich auch gleich unter Wayland und nicht unter X11. Spaßens halber installierte ich glmark2-wayland und ließ einen Benchmark-Test laufen: Das Notebook landete bei einem Score von 1125. Kein Ahnung, ob das gut. Die 3D-Grafik bewegte sich flüssig. Das genügte mir.

Für meine Docking-Station musste ich mir den aktuellsten Treiber von der DisplayLink-Website herunterladen. Die Datei wird in eine andere Datei entpackt, mit chmod a+x <Datei>  ausführbar gemacht und als Root gestartet. Obwohl derzeit nur ein Download für Ubuntu 20.04 vorhanden ist, klappt das alles ohne Fehler oder Warnungen. Etwas Sorge hatte ich bezüglich Wayland. Doch so, wie auch in den DisplayLink-Foren beschrieben, passt hier die Performance mit dem Gnome-Desktop sehr gut. Im Nachhinein ärgerte mich die Soundkarte der Docking-Station etwas, weil sie sich ungenutzter Weise immer wieder in den Vordergrund drängte. Wie ich diesen kosmetischen Mangel behoben habe, habe ich in einem KnowHow-Artikel beschrieben.

Tuxedo ist bereits auf das neue Ubuntu-Release vorbereitet. Als Datei /etc/apt/sources.list.d/tuxedo-computers.list habe ich mir folgendes abgelegt:

Den Schlüssel für die Repositories habe ich nach dem notwendigen neuen Weg (siehe KnowHow-Artikel) eingetragen:

Nach einem ‚sudo apt update‚ konnte ich dann das tuxedo-control-center und tuxedo-tomte installieren. Ersteres kümmert sich um die Systemperformance, den Lüfter und das Sparen von Strom, letzteres sollte mich mit aktualisierten Modulen und Patches versorgen, wenn nötig.

Blieb noch mein Home-Verzeichnis übrig. Ich übertrug die notierte Zeile aus meiner alten /etc/fstab-Datei mit der Änderung, dass ich anstelle von /home zunächst /mnt angab, in die neue Datei:

Mit einem sudo mount /mnt prüfte ich dann, ob alles funktioniert. Das tat es. So tauschte ich /mnt wieder durch /home aus, und löschte in meinem Home-Verzeichnis alles, was mit einem Punkt anfängt (Backup nicht vergessen!): for F in .[A-Za-z0-9]* ; do rm -Rf $F ; done. Diesen Schritt empfinde ich als hilfreich, um keine veralteten Konfigurationen mit ins neue System zu nehmen. Dann startete ich neu und meldete mich mit meinem eigenen Home-Verzeichnis wieder am System an.

Kosmetik & Applikationen

Ich nutze den Chrome-Browser. Den findet man am einfachsten, indem man im standardmäßig installierten Firefox einmal nach „Google Chrome“ sucht und dann das zum Download angebotene 64bit-Paket für Ubuntu herunterlädt und installiert: sudo dpkg -i google-chrome-stable_current_amd64.deb . Danach sollte via sudo apt install chrome-gnome-shell  das Paket installiert werden, welches die Integration mit der Gnome Extensions-Seite sicherstellt. Den Counterpart innerhalb Chromes findet man im Chrome Web Store.

So ausgestattet kann die Website https://extensions.gnome.org besucht werden. Hier warten mehr als 300 Erweiterungen darauf, ausprobiert zu werden 😁. Ich habe mir die folgenden Extensions installiert: Dash-to-Panel, Big Sur Status Area, Sound Input & Output Chooser und Blur my Shell.

Checkliste Tuxedo auf Ubuntu 22.04

  • Konfigurationen & Daten sichern:
    • Verzeichnisse mit den Einstellungen: /etc (als root!) und im Home-Verzeichnis alles, was mit einem Punkt anfängt
    • Home-Verzeichnis sichern, wenn es nicht auf einer eigenen Partition ist
  • Die Belegung der Partitionen merken, für das Home-Verzeichnis /etc/fstab checken
  • bei der Installation zunächst ein einfaches Passwort nutzen und dieses später ändern
  • die Mirrors und Repositories von Tuxedo eintragen, das Control-Center und TOMTE installieren
  • Home-Verzeichnis wieder einbinden

4 Responses

  1. Sorry, aber das Testen in einer Virtualbox sagt halt gar nichts über evtl. doch vorhandene Hardwareprobleme aus.
    Ich hatte leider Anlaufschwierigkeiten bei der Installation auf meinem Infinitybook: das WLAN brach mit 22.04 ständig ab weil es häufig zwischen 2,4 und 5GHz pendelte (meine Lösung: 5Ghz deaktivieren). Ein Fremdwlan bekomme ich momentan gar nicht zum Laufen (mit WPA Enterprise abgesichert) wegen Authentifizierungsfehler. Auch mein HP Netzwerkdrucker druckt manche Seiten erst ab 5cm von oben. All diese Sachen tauchen unter dem noch auf der Platte befindlichen 20.04 nicht auf.
    Mein Gerät ist ein Infinitybook 15 Gen6, ich habe die Tuxedo-Helferlein (tomte) natürlich zusätzlich zum Ubuntu (Budgie) installiert.

    • Moin und danke für Deinen Kommentar. Zur Virtualbox schrieb ich ja auch eindeutig, dass ich NICHT die Hardware sondern alle möglichen anderen Dinge getestet habe. Verbindungsabbrüche und Trouble mit dem 5GHz-WLAN hatte ich früher mit anderen Notebooks auch. Das konnte ich meist mit Parametern für die entsprechenden Module lösen. Tuxedo hat dazu sogar einen Artikel. Ansonsten habe ich mit deren Support auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Einen HP Netzwerkdrucker habe ich übrigens auch. Der druckt und scannt ohne zu murren, seit ich ihn mit den Paketen hplip und hplip-gui eingerichtet habe. Viele Grüße, Andreas

  2. Wegwerfen und neu installieren ist kein Upgrade. Die Vorgehensweise kenne ich nur aus Windows-Kreisen.

    Bei Debian funktioniert das auch mit Repositories Dritter. Die offizielle Empfehlung dazu ist, fremde Repos während des Upgrades zu deaktivieren und nach dem Upgrade des Grundsystems, diese mit entsprechend auf die neue Version angepassten Pfaden wieder zu aktivieren. Ich hab aber auch schon Debian-Upgrades hinter mir, bei denen das in einem Zug ohne Komplikationen funktionierte.
    Wenn Ubuntu das nicht schafft, ist es für mich Zeit, wieder zu Debian zu wechseln. Auf dem Tuxedo läuft das Ubuntu auch nur notgedrungen, weil der „Linux-Spezialist“ seinen Support auf Ubuntu-Budgie beschränkt und ich bei der Anschaffung keine Zeit zum experimentieren hatte.

    Vielleicht versuche ich mich auch mal an dem ominösen do-release-upgrade, welches der empfohlene Ubuntu-Weg ist. An anderer Stelle funktionierte das allerdings nicht, da es nicht zur Zusammenarbeit mit einem Proxy zu bewegen war. Und auch dort wurde letztendlich auf Debian umgestellt.

    Weiteres Feedback folgt nach dem Upgrade.

    • Nur zu ;-). Ich sehe das nicht so katholisch – funktionieren muss es und es darf nicht viel Zeit kosten. Für mich ist ein Upgrade der Austausch von Programmkomponenten durch neuere Versionen unter Beibehaltung der Einstellungen, die ja im Home-Verzeichnis gespeichert sind. Genau das habe ich mit meinem Weg erreicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.