Ein Sonntag der eine anstrengende Woche von einer noch viel anstrengenderen Woche trennt. In Sachsen, bei den Schwiegereltern. Ich musste einfach raus. Laufen und was sehen, dass nichts mit Bits, Bytes oder Menschen im direkten Sinne zu tun hat. Also bin ich wandern gegangen. Es ging 11,5 km durch den Wald zwischen Niederwiesa und Flöha, dort wo die alten Bunker des Munitionslagers 23 sein sollen. Das war mein Ziel.

Nun hatte ich zunächst nicht mit dem Sachsen an diesem sonnigen Spätsommertag gerechnet: Es gab ja Pilze. Ergo fühlte man sich im Wald beizeiten wie bei Edeka kurz vor einem Feiertag. Aber ich konnte das Schauspiel weitestgehend ausblenden ;-).

Schließlich lief ich an einem Feld vorbei und erreichte den Wald, der mein Ziel sein sollte. Gleich am Eingang eröffnete sich mir eine interessante Szene aus Betonrohren, die einem Bach seinen Weg weit unter meinen Füßen bahnten. Hier scheint vor langer Zeit schweres Gerät entlang gefahren zu sein. Im weiteren Verlauf meines Weges türmten sich immer wieder graue Betonblöcke am Wegesrand auf, wie das dritte Bild einen zeigt. Mein Schwiegervater erklärte mir später, dass hier noch zu Zeiten der DDR bewaffnete Senioren in einem ersten und Soldaten in einem zweiten Schutzring um die Bunker patroullierten. So unvorstellbar der Gedanke heute ist, so real sind doch diese stillen Zeugen im Waldboden.

Über gut befestigte Wanderwege komme ich zu zwei Hügeln. Das GPS zeigt mir deutlich den Wegpunkt an, an dem sich die Bunker befinden. Ich entscheide mich, hinter die Hügel zu laufen. Dort vermutete ich den Zugang. Vorn war nichts zu sehen. Vorbei an alten Rohren kletterte ich auf einen der Hügel und stehe auf einer Steinplattform. Aber mehr als zwei Belüftungsschächte ist nicht zu sehen. Soll es das gewesen sein? Etwas enttäuscht umrunde ich den Hügel ein weiteres Mal. Dabei fällt mir eine Absperrung ins Auge …

Tatsächlich. Dahinter verbarg sich ein Loch, unter welchem weitere Betonmauern zu sehen waren. Ich legte meinen Rucksack ab, schnappte mir meine Taschenlampe und machte ein paar Bilder dessen, was sich hinter dem Loch verbarg. Es sah groß aus. Kurzum beschloss ich, hinab zu steigen. Da fand ich mich vor einer relativ schweren Stahltür wieder. Diese hatte zwar nichts mit der 100cm-dicken Tür gemein, die mein Schwiegervater umschrieb, doch war sie schon imposant genug. Hinter der Tür tat sich der Bunkerraum auf. Dieser ist wohl 10m x 10m groß und – leer. Jemand hatte wohl experimentell eine Gasflasche zur Explosion gebracht. Spuren davon waren nicht zu übersehen. Ein paar alte Regale lagen noch da und die eine oder andere Neonröhre hing noch an der Wand.

Wer weiß, was hier noch von 20 Jahren los gewesen sein mochte. Angeblich ist in dieser Gegend ja einiges versteckt – nicht zuletzt vermutet man sogar die Dicke Berta in einer unterirdischen Anlage nur wenige Kilometer entfernt von hier.

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